Intuitiver Lightroom Workflow für stimmungsvolle Familienporträts ohne Lehrplan

Intuitiver Lightroom Workflow für Familienporträts: Vorschau eines Herbst-Shootings im Volkspark Halle auf dem Bildschirm

Zwölf Einträge zählt mein Lichtbildlabor-Tagebuch inzwischen, und ausgerechnet beim zwölften merke ich, wie oft sich Bequemlichkeit in meinem Lightroom-Workflow als Routine tarnt. Als Illustratorin mit Diplom der Burg Giebichenstein dachte ich, der größte Gegner für meinen zweiten Berufszweig als Familienfotografin in Halle (Saale) wäre die Technik der Kamera. Falsch gedacht. Es ist die Abkürzung, die mir gefährlich wird – konkret der Automatik-Button in Lightroom Mobile, auf den ich zuletzt zu oft getippt habe, ohne das Ergebnis mit meinem eigenen, intuitiven Blick gegenzuprüfen.

Mein iPad lag im Zug nach einem Vergleichsshooting mit Leila auf dem Klapptisch, die Dateien noch roh und unbearbeitet. Leila Messaoudi fotografiert hauptberuflich Hochzeiten und Editorials zwischen Halle und Leipzig, und ab und zu leiht sie mir ein zweites Objektiv, wenn ich zwei Blickwinkel gegeneinander testen will. An diesem Nachmittag ging es aber nicht um Optik, sondern um Ungeduld – meine eigene, weil ich die automatische Korrektur schnell drüberlegen wollte, um zuhause weniger Arbeit zu haben.

Ich habe der Automatik zu schnell vertraut

Lightroom Mobile schlägt unterwegs automatisch Belichtung, Weißabgleich und leichte Farbkorrektionen vor, alles in einem Rutsch. Im Zug hat die Automatik den Weißabgleich ins Kühle gezogen, weil das Fensterglas einen Blaustich ins Bild gebracht hatte, und ich habe den Vorschlag übernommen, ohne genauer hinzusehen. Erst am MacBook, Tage später, fiel mir auf, wie fahl die Gesichter der Kinder wirkten, fast wie durchgepaust.

Dass ich in RAW und nicht in JPEG fotografiert hatte, hat mir genug Spielraum gelassen, den Fehlgriff bei den Hauttönen nachträglich aufzufangen. Der Reflex aber, der Maschine schneller zu vertrauen als dem eigenen Auge, hat mich tagelang geärgert – das ist die Art Fehler, die man sich als Illustratorin nie erlauben würde, einer vorgefertigten Füllfarbe blind zu glauben.

Warum ein Preset bei mir nie ein Fertiggericht ist

Ein Preset ist für mich eher eine Grundierung als ein fertiges Bild, eine Basis, die ich je nach Auftrag neu einfärbe. Zurück von der Zugfahrt habe ich mir vorgenommen, bei jedem Shooting zuerst das Licht zu lesen, bevor ich zwischen „Cinematic", „Moody" und „Natural" wähle, meinen drei Primärfarben, mit denen ich inzwischen fast im Schlaf mische. Ein Workflow in Lightroom für Kreative muss atmen können, gerade wenn man ohne klassischen Kursaufbau arbeitet.

Dass ein linearer Kurs bei mir nie funktioniert hat, habe ich an anderer Stelle in diesem Tagebuch schon ausgebreitet. Hier kommt nur die Kehrseite davon zum Vorschein: Auch ein Automatismus kann ein Lehrplan sein, nur unsichtbar, und genau davor hatte ich mich lange nicht gehütet.

Lotte Felber, die Keramikerin aus dem Maker-Space, hatte mich für ein paar Familienmomente für ihren Newsletter gebucht – kein Studiotermin, einfach ein Nachmittag draußen. Sie mag es bewusst unaufgeräumt, keine gestellten Blicke, lieber ein Kind, das mitten im Bild aus dem Rahmen läuft. Wir haben uns im Volkspark verabredet, an der kleinen Weginsel mitten im Rosengarten, weil dort im Oktober das Licht zwischen den Sträuchern bricht, statt flach von oben zu fallen.

Lightroom-Workflow für Familienfotos: Moody-Preset-Vorschau auf dem Bildschirm neben einer Aquarell-Skizze

Während die externe Festplatte leise vor sich hin surrte und Lightroom die Vorschauen des ARW-Stapels aufbaute, habe ich mir einen Tee gemacht und die ersten Bilder quer durchgesehen. Für die rund zwanzig Aufnahmen, die am Ende übrig bleiben sollten, bin ich nicht bei jeder einzeln bei null gestartet – eine abgewandelte Variante des „Moody"-Looks ging als Basis über den ganzen Stapel, und erst danach habe ich einzelne Bilder wieder zurückgezogen.

Der Laubfleck, der die Moody-Stimmung gekippt hat

Bei einem der Fotos von Lottes Tochter, die mit aufgerissenen Armen durch raschelndes Herbstlaub rannte, hatte ich den Moody-Look eine Spur zu kräftig gezogen. Ein Busch im Hintergrund, voller rotbrauner Blätter, zog plötzlich den ganzen Blick auf sich, als würde er lauter schreien als das Kind davor. Einen Schritt vom Bildschirm zurückgetreten, so wie ich es bei einer Illustration mache, wenn eine Fläche zu dominant gerät, habe ich die Luminanz genau dieses Rottons über den HSL-Regler eingefangen, bis der Busch wieder Hintergrund war und nicht Hauptfigur.

Die Mittagssonne stand zu dieser Jahreszeit schon flach, und an einer Stelle am Weg schnitt ein Schatten quer durchs Gesicht des Kindes. Statt den ganzen Himmel aufzuhellen, habe ich nur mit einer lokalen Maske genau diesen Schattenkeil angehoben, so wie ich beim Illustrieren gezielt eine Fläche aufhelle, ohne die ganze Komposition zu verändern.

Die Gradationskurve flach halten statt Kontrast bei Familienporträts zu jagen

Klassische Fotolehre predigt mehr Kontrast für mehr Punch. Mein Illustratorinnen-Auge widerspricht dem. Figuren sollen im Licht eingebettet sein, nicht von ihm zerschnitten. Darum ziehe ich die Mitte der Gradationskurve ein Stück an und nehme Lichter und Tiefen gleichzeitig zurück – das nimmt dem Bild die digitale Härte und lässt es fast malerisch wirken, eher wie eine lavierte Tuschezeichnung als wie ein Hochglanzmagazin.

Gradationskurve und Klarheit-Regler in Lightroom beim intuitiven Bearbeiten eines Familienporträts

Am Klarheit-Regler bleibe ich bei den meisten Porträts im Minus, weil zu viel Struktur jede Zärtlichkeit aus einem Kindergesicht zieht. Die automatische Objektivkorrektur lasse ich dagegen fast immer aktiv, weil verzogene Linien an Parkbänken oder Wegrändern mein Illustratorinnenauge mehr stören als Bildrauschen – kleine Geometrie-Fehler verzeihe ich mir nicht so leicht wie Farbfehler.

Für die matten Herbsttage, an denen die Sonne komplett hinter Wolken bleibt, habe ich mir ohnehin notiert, wie ich Moody Presets für regnerische Tage einsetze, ohne dass die Bilder trist wirken. Der Rosengarten im Volkspark war an diesem Nachmittag zum Glück freundlicher, aber die Notiz hilft mir jedes Mal, wenn das Licht nicht mitspielt.

Die Lehre aus zwölf Wochen Tagebuch

Zwölf Wochen Lichtbildlabor-Tagebuch summieren sich bei mir zu einer einzigen Regel, die ich mir groß auf eine Haftnotiz schreiben könnte: Jeder Automatismus verdient einen zweiten Blick, egal ob er von einer App kommt oder von einem Preset, das ich im Schlaf anwenden könnte. Bevor ich heute einen Satz Fotos für einen Auftrag exportiere, werfe ich kurz einen Blick aufs Histogramm, nicht um eine perfekte Kurve zu jagen, sondern um zu sehen, ob irgendwo Lichter absaufen, die ich beim schnellen Durchklicken übersehen habe.

Für Lottes Newsletter-Bilder habe ich am Ende in einem kleineren Format exportiert als für den Druck, mit etwas mehr Schärfung, weil Bildschirme Details anders zeigen als Papier. Ein Ast, der genau in ihre Schulter zu wachsen schien, ist mit dem Entfernen-Werkzeug verschwunden, bevor das Bild überhaupt in den Freigabe-Ordner kam.

Zwei der Aufnahmen mit zu viel visuellem Lärm im Hintergrund habe ich zur Tuschezeichnung reduziert, ganz in Schwarzweiß, weil dort die Komposition mehr trägt als jede Farbe. Den endgültigen Bildausschnitt habe ich bei fast allen Fotos erst am MacBook festgelegt, nicht schon in der Kamera, weil ich beim Fotografieren selten weiß, welches Detail am Ende die Geschichte trägt.

Meine alte Sony bleibt dabei, wie sie ist – an den Kameraeinstellungen rühre ich kaum noch, weil die eigentliche Entscheidung ohnehin am Bildschirm fällt. Was nach zwölf Wochen Einträgen hängen geblieben ist: Intuition ersetzt keine Kontrolle, sie braucht sie. Ein gutes Familienfoto erzählt eine Geschichte, die man nicht erklären muss – aber damit es so weit kommt, halte ich jeden automatischen Vorschlag noch einmal gegen das Licht, genau wie jede Skizze vor der Reinzeichnung.