
Ein Rohbild direkt aus der Kamera und dasselbe Bild nach einem Moody-Preset unterscheiden sich für mich wie eine Bleistiftskizze von einer fertigen Illustration: gleiche Linie, komplett andere Wirkung. Genau diese Frage taucht immer wieder auf, wenn es um Lightroom-Presets, Familienfotografie in Halle und Bildbearbeitung für Künstlerinnen geht: Warum wirkt das eine Bild tot und das andere lebendig, obwohl beide vom selben Sensor stammen? Hier beantworte ich die Fragen, die mir dazu am häufigsten gestellt werden – zur Lifestyle-Fotografie ebenso wie zur reinen Preset-Technik.
Diese Seite enthält Affiliate-Links, das gehört zur Transparenz dazu: Kaufst du über einen Link ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne Aufpreis für dich. Verlinkt wird nur, was in echten Aufträgen oder im eigenen Workflow getestet wurde – oder wo ich offen sage, dass ich es nicht durchgearbeitet habe.
Warum sieht ein Foto direkt aus der Kamera oft flacher aus als eine Illustration?
Technik ist nicht das Problem. Die Sony Alpha 6000, mit der ich Familien fotografiere, liefert scharfe, korrekt belichtete Dateien – das RAW-Format gibt mir dabei deutlich mehr Spielraum als ein fertiges JPEG, weil nichts von der Kamera schon fest eingebrannt ist. Trotzdem sieht das Ergebnis oft aus wie ein Beweisfoto. Als Illustratorin arbeite ich mit Aquarell in Schichten, Farbe über Farbe, bis Tiefe entsteht. Ein einzelner Kamera-Klick liefert diese Tiefe nicht von selbst, er liefert nur Rohmaterial.
Mein Test ist simpel. Würde ich das Bild so auch für ein Kinderbuch-Cover malen? Wenn die Antwort nein ist, fehlt Tonalität – und genau da beginnt für mich die Preset-Arbeit, nicht bei Schärfe oder Auflösung.

Moody oder Natural – zwei Lightroom-Presets für ganz unterschiedliche Familienfotos
Licht entscheidet, welches Preset ich wähle, nicht Geschmack. Fällt hartes Licht in den Hinterhof im Paulusviertel, wo die meisten meiner Familien-Shootings inzwischen stattfinden, wähle ich Moody: Die Kontraste zwischen Sonnenfleck und Schatten an der Waschküchenanbau-Wand werden sonst unangenehm hart. Ist das Licht bedeckt und weich, bleibe ich näher bei Natural, weil dann ohnehin schon wenig zu beruhigen ist.
Kompositionsfragen kommen für mich vor der Preset-Wahl. Meine Atelier-Kollegin Merle Gockeln schaut sich ein Bild grundsätzlich nur als Kompositionsfrage an, egal ob am Ende Moody oder Natural draufkommt – für sie zählt, ob die Linien im Bild stimmen, nicht die Stimmung. Diese Reihenfolge übernehme ich mittlerweile auch: erst Bildausschnitt und Aufbau klären, dann Licht und Preset.
Wer strukturiert lernen will, findet dafür Kurse wie den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs – ein systematischer Aufbau, gut für alle, die Schritt für Schritt vorgehen wollen. Ich selbst arbeite lieber vom Bild her: erst das Gefühl für die Bildgestaltung, dann die Technik dazu. Das 100 Looks in 13 Stilrichtungen Paket deckt beide Stimmungen ab, Moody und Natural nebeneinander, und ich wechsle je nach Auftrag zwischen den beiden, ohne für jede Serie neu anzusetzen.
Was mache ich, wenn eine Kundin ein ganz anderes Referenzfoto schickt?
Häufiger als erwartet kommt genau diese Frage. Rike Ostwald, meine Nachbarin im Paulusviertel und eine meiner ersten Kundinnen, schickt mir vor jedem Termin gern Referenzfotos anderer Fotografinnen als Vergleich. Nicht, weil sie meinen Stil ersetzen will, sondern weil sie zeigen will, welche Stimmung ihr gefällt.
Übernehmen tue ich so ein Referenzfoto nie eins zu eins. Ich lese daraus die Bildkomposition heraus – wo steht die Familie im Bild, wie eng ist der Ausschnitt – und übersetze die Stimmung dann in mein eigenes Set aus Presets. Der Bildausschnitt selbst ist dabei fast wichtiger als der Look: Ein zu enger Schnitt lässt sich mit keinem Preset der Welt retten.

Hauttöne, die ins Orange kippen: Der Fehler mit dem Reise-Preset
Nicht jedes Preset ist für Haut gemacht. Als ich zum ersten Mal ein Reise- und Landschafts-Preset direkt auf ein Familienporträt gelegt habe, ohne es anzupassen, kippten die Hauttöne ins Orange – ein Look, der für Sandstein und Abendhimmel gedacht war, aber auf Gesichtern einfach falsch aussah. Zurückgenommen habe ich das erst, als das Bild schon fast fertig bearbeitet war, und musste noch einmal von vorn anfangen.
Seitdem prüfe ich zuerst den Weißabgleich, bevor ein Preset überhaupt draufkommt – ein Preset kann einen Farbstich verstärken, aber nie reparieren. Danach gehe ich mit dem HSL-Regler gezielt in die Orange- und Rottöne der Haut, nicht ins ganze Bild. Meine Faustregel: Ich vergleiche die Wange des Kindes mit der Innenseite des eigenen Unterarms auf dem Bildschirm – kippt die Wange spürbar wärmer als der Vergleichswert, ist das Preset zu stark.
Wie erkenne ich, dass ein Preset zu weit gegangen ist?
Schatten verraten es zuerst. Bei einem Shooting im Hinterhof hebt eine Mutter ihre Tochter hoch, für einen kurzen Moment fällt der Schatten der beiden auf die Wand am Waschküchenanbau – und auf dem Bildschirm kippt genau dieser Schatten zu blau. Das ist der Moment, in dem ich den Preset-Regler nur einen Tick zurückdrehe, nicht mehr.
Kontrolliert wird punktuell, nicht großflächig. Für so eine Korrektur nutze ich lokale Anpassungen nur auf dem Schattenbereich, nicht auf dem ganzen Bild – ähnlich wie beim Lasieren, wo eine einzelne Farbschicht auch nur an einer Stelle sitzt und nicht das ganze Blatt verändert. Die Belichtung und der Kontrast im Rest des Bildes bleiben unangetastet, wenn nur der Schatten kippt.

Kurs, Presets oder Photoshop: Meine Reihenfolge für den Einstieg
Für mich bleibt das Preset-Paket die Basis: Das Lifestyle-Presets-Paket, das ich für die meisten Familien-Aufträge nutze, deckt Moody und Natural gleichermaßen ab. Wer lieber mit reiner Landschaftsästhetik arbeitet und diese auf Porträts überträgt, findet dazu mehr unter Landschafts-Presets für Porträts nutzen. Für alles, was Lightroom nicht mehr löst – etwa aufwendigere Freistellungen –, liegt bei mir als Ausweichoption noch Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Photoshop bereit, auch wenn ich davon bisher selten Gebrauch gemacht habe.
Fertig ist ein Bild für mich erst nach dem Export. Die Einstellungen dafür unterscheiden sich, je nachdem ob ein Foto als WhatsApp-Vorschau bei der Kundin landet oder als Datei für den Fotodruck rausgeht – das ist aber schon wieder eine eigene Frage für sich. Wer selbst weg will vom sterilen Digitalfoto und hin zu einem Look, der zur eigenen Bildsprache passt, kann sich das Lifestyle-Presets-Paket anschauen, mit dem ich inzwischen die meisten meiner Familienporträts in Halle bearbeite.