
Das halbe Gesicht liegt im Schatten einer Weide, der Rest des Bildes leuchtet. So sah das Porträt von Rikes Tochter aus, direkt aus der Kamera, aufgenommen auf der Peißnitzinsel. Genau dafür gibt es die Lightroom Maskierung: Sie hellt nur diese eine Stelle auf und lässt den Rest in Ruhe. Für Familienfotografie brauchst du dafür keinen kompletten Kurs, sondern ein paar gezielte Handgriffe. Die Fragen dazu höre ich von Kolleginnen am häufigsten, also der Reihe nach.
Wann greife ich zur Maske — und wann lasse ich sie weg?

Meine Faustregel aus den Aufträgen: Maske, wenn der Look des Fotos stimmt und nur eine Stelle nicht. Ist das ganze Bild zu dunkel oder zu flach, reicht ein globaler Regler. Ich prüfe das mit einem Probelauf. Ich hebe die Belichtung für das gesamte Foto an. Wird das Gesicht heller, aber der leuchtende Hintergrund hinter der Weide kippt weg, ist die Entscheidung gefallen.
Es gibt auch den umgekehrten Fall. Bei einem zweiten Foto lag das Preset so ruhig auf der Haut der Kleinen, drüben auf der Wiese der Peißnitzinsel, dass jeder Pinselstrich nur gestört hätte. Ich habe die Maske angelegt, angeschaut und wieder gelöscht. Nicht jedes Bild will angefasst werden.
Rike schickt mir manchmal Referenzfotos anderer Fotografen, ein Gesicht, das unter Bäumen leuchtet, dazu die Frage, ob das bei ihr auch geht. Meine Antwort: oft ja, aber nur, wenn das Licht in der Datei schon steckt. Eine Maske malt vorhandenes Licht nach. Sie erfindet keins.
Muss ich für Masken den ganzen Lightroom Grundkurs durcharbeiten?
Nein. Ich habe es versucht. Den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs [Mein Crashkurs] gekauft, motiviert losgelegt, nach Modul 4 aufgehört. Der Aufbau ist linear, Schritt für Schritt von vorn nach hinten. Mein Kopf funktioniert anders. Ich will erst wissen, wie ich einem Auge Licht gebe, bevor mich interessiert, wie man Dateien ordnet.
Also habe ich den Kurs wie ein Buffet behandelt und mir gezielt die Lektion zum Korrekturpinsel herausgepickt. Das geht, weil die über 40 Lektionen in Häppchen von 2 bis 7 Minuten geschnitten sind. Die 30 Beispielfotos zeigen viel Landschaft und Architektur, nicht meinen Stil. Trotzdem hilft es: Wer einen Himmel in den Alpen maskiert, versteht, wie man Schatten unter einer Weide bändigt. Die Logik der Tonwertkorrektur bleibt gleich, egal ob Felswand oder Kinderwange. Wer gern linear lernt, ist mit dem Aufbau übrigens besser bedient als ich.
Dazu kommt mein Lifestyle-Presets-Paket. Die Cinematic-Looks legen bei dem Weidenfoto einen tiefen, stimmungsvollen Hintergrund an, das Gesicht bleibt trotzdem dunkel. Das Preset macht die Stimmung, die Maske rettet das Gesicht. Eine Einschränkung: Die Presets laufen erst ab Lightroom Classic 7.3. Wer noch mit einer älteren Standalone-Version arbeitet, muss zuerst wechseln.
Warum ich den Kurs trotz Abbruch nicht bereue, steht in meinem Lightroom Grundkurs im Test. Mir geht es darum, Werkzeuge zu besitzen, nicht ein Curriculum auswendig zu lernen.
Automatische Motivauswahl: Wo sie hilft und wo sie ausschneidet

Die Automatik von Adobe wählt ein Kind in Sekunden aus. Beeindruckend. Bei zerzausten Haaren oder einem grob gewebten Leinenhemd sitzt die Kante aber oft zu hart, und das Gesicht wirkt wie ausgeschnitten. Das widerspricht allem, was ich über weiche Linienführung weiß.
Also mache ich beides. Lightroom wählt grob, ich ziehe die Lichtkante mit einem weichen Pinsel nach. Das kostet ein paar Minuten mehr. Es ist der Unterschied zwischen einer schnellen Skizze und einer ausgearbeiteten Zeichnung.
Einmal habe ich ein Gesicht nur mit der Automatik aufgehellt und erst beim Verkleinern gesehen, wie hell der Saum um die Haare leuchtete. Die Maske habe ich gelöscht und von Hand neu gemalt. Mein Kontrolltest seither: rauszoomen, bis das Bild Briefmarkengröße hat. Ein Ausschnitt-Rand springt dort sofort ins Auge, ein sauberer Verlauf nicht.
Den Radialfilter wie einen Scheinwerfer setzen
Ein Lieblingswerkzeug ist inzwischen der Radialfilter. Auf der Peißnitzinsel, an einem dieser schwülen Nachmittage, an denen das Licht fast greifbar wird, habe ich ihn um die spielenden Kinder gelegt: Maske invertieren, Belichtung außen leicht zurücknehmen. Keine dunklen Ränder wie früher, sondern Licht-Vignetten, die den Blick führen. Das folgt demselben Prinzip wie die Komposition einer Buchillustration.
Mein erster Versuch war zu kräftig. Das Bild sah aus wie eine Theaterbühne mit Spot. Ich habe den Regler zurückgeholt, bis man den Filter nicht mehr bemerkt und nur noch spürt, wohin der Blick läuft.
Merle, meine Kollegin aus dem Atelier, fotografiert nie selbst. Als ich ihr den Ausdruck zeigte, sagte sie nur: „Ich seh da eine Diagonale, keine Kinder.“ Für sie ist jedes Bild eine Kompositionsfrage, und genau so setze ich den Filter: Er zieht die Diagonale nach. Wie das bei Gesichtern im Detail aussieht, habe ich im Artikel über den Radialfilter in Lightroom für den Fokus auf Gesichter aufgeschrieben.
Viele Kolleginnen scheuen die Maskierung, weil sie nach viel Arbeit klingt. Dabei spart sie Zeit. Wer am Kontrast des ganzen Bildes zerrt, verfälscht nebenbei die Farben. Wer punktuell korrigiert, lässt den Charakter des Presets in Ruhe.
Bildbearbeitung für Illustratoren: lieber Pinsel als Pflichtmodule

Ich bin keine Foto-Akademikerin und werde es nicht mehr. Ich bleibe die Illustratorin, die jetzt auch mit Pixeln malt. Die Masken sind meine Pinsel geworden. Und der Lightroom-Grundkurs war der Werkzeugkasten, aus dem ich mir die drei Schraubenzieher geholt habe, die ich wirklich brauchte.
Mein Tipp für die Familienfotografie, wenn du eher der intuitive Typ bist: Spring über Module. Such dir die Lektion zur Maskierung und zum Pinsel heraus. Öffne ein Foto, das dir zu dunkel oder zu flach vorkommt, und teste zuerst mit dem globalen Regler, ob überhaupt eine Maske nötig ist. Oft steckt mehr Licht in deiner Datei, als du denkst, und wartet nur darauf, freigepinselt zu werden.
Vielleicht ist für dich auch Photoshop eine Option, falls du es ohnehin für deine Grafiken nutzt. Den Kurs Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop [Plan B] habe ich für Auftragspausen auf die Reserveliste gesetzt. Durchgearbeitet habe ich ihn nicht, deshalb kann ich ihn nicht bewerten. Für Familienporträts bleibe ich bei Lightroom. Man muss nur wissen, wann man die Automatik ausschaltet und selbst zum Pinsel greift.