Weißabgleich bei Sonnenuntergang für natürliche Hauttöne in Lightroom anpassen

Weißabgleich bei Sonnenuntergang für natürliche Hauttöne in Lightroom anpassen – Familienfotografie mit warmem Gegenlicht am Saale-Ufer

Hauttöne, die ins Orange kippen sobald die Sonne tief steht, sind das zuverlässigste Warnzeichen für einen Fehler beim Weißabgleich – nicht für zu viel goldene Stunde, wie man zuerst vermutet. Genau dieser Fehler taucht in meinem Lightroom-Workflow für die Familienfotografie immer wieder an derselben Stelle auf: am Saale-Ufer unterhalb der Giebichenstein-Brücke, wo das Abendlicht besonders tief und warm über das Gras fällt und die Hauttöne der fotografierten Kinder als Erstes darunter leiden.

Der Automatik-Weißabgleich versagt am Saale-Ufer

Seit zwei Jahren kommt neben den Illustrationsaufträgen auch die Familienfotografie dazu, und der Sonnenuntergangs-Fall wiederholt sich öfter, als mir am Anfang klar war. Bei einem Shooting für meine Nachbarin Rike Ostwald hatte ich ein deutsches Reise-Preset-Paket für Landschaftsfotografie über die Bilder ihrer Tochter gelegt. Am Saale-Ufer sah das Licht durch den Sucher nach genau dem satten Orange aus, das solche Reise-Presets lieben. Auf dem großen Bildschirm dann: Karottenhaut. Noch am selben Abend schrieb Rike per WhatsApp, ungefragt und ziemlich direkt, ihre Tochter sehe aus wie nach einem viel zu langen Tag in der Sonne.

Der Grund liegt in der Farbtemperatur der tiefstehenden Sonne, die deutlich wärmer ist als das neutrale Licht, für das die Kamera-Automatik kalibriert ist. Der Sensor bekommt mehr Gelb und Rot, als er sauber verarbeiten kann, und reagiert mit einer Art Übersteuerung in genau den Hauttönen, auf die es bei einem Porträt ankommt. Nicht warm, sondern schmutzig. Das ist der Unterschied, den man erst auf dem großen Bildschirm sieht, nie im kleinen Sucher am Ufer.

Lightroom-Workflow für Weißabgleich und Farbtemperatur bei goldener Stunde, Regler-Ansicht für natürliche Hauttöne

Weg eins: Der komplette Weißabgleich wandert Richtung Blau

Naheliegend ist es, den kompletten Weißabgleich-Regler ein Stück Richtung Blau zu schieben, bis die Haut wieder neutral wirkt. Das funktioniert, keine Frage, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Schiebe ich zu weit, stirbt die ganze Abendstimmung mit: Der Himmel verliert sein Gold, das Gras wirkt stumpf, und am Ende sieht das ganze Bild aus wie durch einen kühlen, flachen Filter fotografiert. Diese Gratwanderung zwischen neutraler Haut und lebendiger Umgebung ist genau die Stelle, an der ich am längsten sitze.

Wie intuitiv oder wie systematisch man an so eine Entscheidung herangeht, ist am Ende auch eine Typfrage. Meine eigene, kursfreie Herangehensweise an Lightroom habe ich an anderer Stelle schon einmal ausführlicher aufgeschrieben. Bevor ich überhaupt an den Hauttönen schraube, prüfe ich erst Belichtung und Kontrast in Lightroom intuitiv wie eine Illustration zu bearbeiten, weil ein falsch gesetzter Schwarzpunkt jede Farbkorrektur danach verzerrt, die ich hinterher an der Haut vornehme.

Grün aus der Wiese, Magenta als Gegenmittel

Neben der Temperatur gibt es die Tönung, also die Achse zwischen Grün und Magenta, und die wird am Saale-Ufer schnell zum eigentlichen Problem. Das hohe Gras dort wirft sein Grün in die Schatten der Haut, und zusammen mit dem Orange der tiefstehenden Sonne ergibt das einen leicht kränklichen, olivfarbenen Unterton in den Wangen. Ein Hauch mehr Magenta im Tönungs-Regler reicht meistens, um diesen Schleier verschwinden zu lassen.

Es ist derselbe Grundtrick, den ich beim Ausgleichen gewöhnlicher Farbstiche verwende, nur bringen Sonnenuntergänge ihre eigene, hartnäckigere Version davon mit. Das größere Thema dazu, Farbstiche in Lightroom korrigieren für natürliche Familienfotos im Freien, habe ich an anderer Stelle ausführlicher behandelt. Wie viel Schatten in so einem Bild überhaupt stehen bleiben darf, bevor die Zeichnung im Gesicht verloren geht, ist wieder eine eigene Überlegung für sich.

Weg zwei: Nur die Orangetöne kommen unter die Lupe

Der zweite Weg lässt die goldene Umgebung komplett in Ruhe und geht nur die Hauttöne selektiv an, über das Color-Grading-Rad oder das Farbmisch-Panel. Ich nehme die Orange-Sättigung ein Stück zurück und hebe gleichzeitig die Luminanz von Orange leicht an, wie eine dünne Lasur über einer Zeichnung, die die grellsten Stellen dämpft, ohne die Tonalität darunter zu verändern.

Color-Grading-Rad in Lightroom zur gezielten Korrektur von Hauttönen nach dem Sonnenuntergang-Shooting

Die Haut verliert den Sonnenbrand-Charakter, das Gold im Hintergrund bleibt genau da, wo es hingehört. Merle, meine Atelier-Kollegin, schaute mir bei so einer Korrektur einmal über die Schulter und sagte nur, ohne Umschweife, jetzt sei endlich das Kind zu sehen und nicht mehr die Karotte.

Auf dem Schreibtisch aus einer alten Druckertür, die auf zwei Holzböcken liegt, stehen iPad und MacBook wie immer dicht nebeneinander. Schräges Nordlicht kommt durchs Fenster, nie direkte Sonne, und in der freiliegenden Backsteinwand dahinter zeichnen sich alte Wasserflecken ab wie ein zweites, zufälliges Bild. Während Lightroom im Hintergrund die Vorschauen für den ganzen Aufnahme-Stapel aufbaut, hört man die externe Festplatte leise mitarbeiten. Genug Zeit, um zwei virtuelle Kopien nebeneinanderzulegen und wirklich zu vergleichen, welcher Weg zum jeweiligen Bild passt.

Wie man einen bestimmten Preset-Look überhaupt auf ein einzelnes Gesicht abstimmt, statt ihn blind über jedes Foto zu legen, wäre nochmal ein eigenes Thema. Auch wie man Hauttöne in Lightroom grundsätzlich liest und korrigiert, unabhängig vom Sonnenuntergang, habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben. Wer mit dieser Methode arbeitet, sollte übrigens auch Farben in Lightroom anpassen für harmonische Familienfotos wie in der Malerei im Blick behalten, weil Orange und die Farben drumherum sich immer gegenseitig beeinflussen.

Die Gründe für das Scheitern der Kamera-Automatik

Die Automatik der Kamera will grundsätzlich neutrales Grau, und ein Sonnenuntergang ist so ziemlich das Gegenteil davon. Die Belichtungsmessung versucht also, genau das Gold wegzukorrigieren, das den ganzen Reiz des Bildes ausmacht. Reflexionen von Gras oder Kleidung fließen in diese Rechnung gar nicht erst ein, obwohl sie den Hautton am Ende mitbestimmen. Hauttöne selbst werden von der Automatik meistens zu warm eingeschätzt, und genau das frisst die feinen Abstufungen in den Mitteltönen auf, die ein Gesicht erst plastisch wirken lassen.

Dass ich hier überhaupt noch nachträglich eingreifen kann, liegt am RAW-Format meiner Kamera. Bei JPEG wäre der Spielraum deutlich kleiner, aber das ist ein Vergleich für sich, den ich getrennt davon führe. Bei mehreren Bildern vom selben Shooting hintereinander denselben Korrekturweg anzuwenden, ist wieder eine andere Übung, die eigene Tücken hat.

Die richtige Methode für jeden Fall

Zur globalen Kühlung des Weißabgleichs greife ich, wenn kaum Umgebung im Bild zu sehen ist, also ein enger Ausschnitt auf Gesicht und Schultern, bei dem das Gold im Hintergrund ohnehin kaum eine Rolle spielt. Zur gezielten Korrektur über Color Grading greife ich, sobald die Landschaft am Saale-Ufer selbst Teil der Aussage bleiben soll, also bei jedem Bild, in dem die untergehende Sonne, das Wasser oder die Wiese sichtbar mit im Rahmen stehen.

Wie eng oder weit dieser Rahmen überhaupt gewählt wird, entscheidet oft schon vorher, welcher der beiden Wege am Ende weniger Korrektur braucht. Eine Überlegung zum Bildausschnitt, die ich an anderer Stelle vertieft habe. Wenn du selbst mit Lightroom an Sonnenuntergangs-Hauttönen sitzt, lohnt sich die Frage nach dem Ausschnitt oft mehr als die nach dem Regler. Als Faustregel bleibt: Sobald der Hintergrund im Bild mehr Fläche einnimmt als das Gesicht, gewinnt die gezielte Methode, weil sie die Farbstimmung des Ortes nicht opfert.