
Ein Porträt wird weich durch die Kamera, das Licht oder das, was danach in der Bildbearbeitung passiert. Die Frage begleitet mich, seit ich neben den Kinderbuch-Illustrationen auch Familienfotos mache, inzwischen seit zwei Jahren. Mein Lightroom-Workflow mit Lifestyle-Presets für die Familienfotografie ist dabei nicht aus einem Kurs entstanden, sondern aus wöchentlichem Ausprobieren, Verwerfen, Neumachen.
Zur Transparenz, bevor es weitergeht: Auf dieser Seite stehen Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich etwas teurer wird. Ich schreibe nur über Sachen, die ich selbst für meine Familien-Aufträge bezahlt und benutzt habe — aus der Perspektive einer Illustratorin, nicht einer Technik-Lehrerin.
Digitale Bildbearbeitung fühlt sich kälter an als mein Aquarell
Meine Sony Alpha 6000 kommt noch aus dem Studium an der Burg Giebichenstein. Technisch liefert sie solide Dateien, scharf genug für jeden Abzug. Trotzdem sehen die Rohbilder auf dem Bildschirm flach aus, fast dokumentarisch. In meinen Illustrationen setze ich Tiefe durch Weglassen und durch weiche Übergänge — eine Kamera kennt dieses Weglassen nicht von allein.
Bei einem Shooting auf der Peißnitzinsel war das Licht genau richtig, aber der Hintergrund aus Gräsern und Geäst wirkte unruhig neben dem schlafenden Kind. Ich wollte Farbtiefe in Lightroom verbessern, ohne dass der Eingriff nach Filter schreit.

Objektivunschärfe als digitaler Pinselstrich
Freistellen war für mich lange eine Qual. Masken ziehen, Kanten prüfen, das bremst jeden intuitiven Schwung. Einen gekauften Lightroom-Komplettkurs habe ich nach dem vierten Modul liegen lassen, weil der lineare Aufbau meinem Arbeiten komplett widersprach. Ich wollte fühlen, nicht abarbeiten.
Dann kam die KI-gestützte Objektivunschärfe in Lightroom dazu, und die fühlt sich an wie ein nasser Pinsel im Aquarell. Die Software baut eine Art Tiefenkartierung auf. Sie unterscheidet, was vorne steht und was weiter hinten verschwimmen darf. Genau wie ich bei einer Komposition den Vordergrund ausarbeite und den Rest nur andeute. Für Lifestyle-Aufnahmen ohne das teuerste Porträtobjektiv im Rucksack ist das ein echter Gewinn.
Trotzdem bleibt Vorsicht nötig. Künstliche Unschärfe aus einem Preset wirkt schnell unnatürlich, wenn sie das Bild gleichmäßig weich zieht statt die Tiefenstaffelung eines echten Objektivs nachzubilden. Sobald alles gleich matschig wird, verliert das Foto seine Lichtkante. Wie stark ich daneben noch mit dem Klarheit-Schieber nachhelfe, hängt vom Einzelfall ab — das wäre ein eigener Eintrag für sich.
Das passende Preset für meine Linienführung
Für einen Lifestyle-Auftrag auf der Peißnitzinsel habe ich kurz überlegt, eine Studio-Blitzanlage auf Ratenkauf anzuschaffen, um unabhängiger vom Wetter zu sein. Am Ende habe ich es gelassen — das Naturlicht an der Saale gibt mir genau die weichen Schatten, die ich sowieso mit einem Preset-Look wie bei den 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen [Mein Workflow] nachbearbeite. Das Paket deckt 13 Stilrichtungen ab, aber ich greife fast nur zu "Natural", wenn Kinder im Halbschatten sitzen.
Leila, eine befreundete Berufsfotografin aus Halle, hat mir letzte Woche ziemlich unverblümt gesagt, dass meine Masken an den Haarspitzen ausfransen. Keine Beschönigung, einfach der Finger auf die Schwachstelle. Seitdem nehme ich mir vor jedem Export Zeit, um Lightroom Maskierung lernen wirklich zu üben, statt die erste Kantenauswahl einfach zu akzeptieren.

Den Illustrationsstil ins Preset übersetzen
Tonal passen "Cinematic" und "Moody" am besten zu den erdigen Farben, die ich auch in meinen Tuschearbeiten mag, während "Natural" die Lichtkante auf dem Gesicht hält und den Rest zurücktreten lässt. Statt stundenlang an der Gradationskurve in Lightroom zu ziehen, nehme ich das Preset als Basis und justiere nur noch nach. Wie viel ich an den Hauttönen selbst noch verschiebe, ist eher ein Thema für einen eigenen Eintrag — hier reicht mir die Feinjustierung auf der Gesichtspartie. Systematisch arbeite ich dabei kaum, es bleibt ein Abtasten mit den Augen, kein Regelwerk von oben nach unten.
Letzten Monat kam Lotte vorbei, die Keramikerin aus dem Maker-Space, mit ihren Zwillingen und einer Tasche voller eigener Leinendecken für die Fotos auf der Peißnitzinsel. Beim zweiten Preset, das ich über die Serie gezogen habe, kippte die Stimmung komplett — zu kühl, zu technisch für zwei Kinder, die eigentlich nur albern sein wollten. Zurück zum ersten Look, und die Bilder saßen sofort wieder. Der alte Stuhl ächzt leise, wenn ich mich beim zweiten Durchsehen der Auswahl nach vorne lehne, das kenne ich inzwischen gut. Seit etwa der zehnten Woche mit dem Presets-Paket brauche ich diesen zweiten Durchgang kaum noch, wenn ich beim ersten Instinkt bleibe.
Mein Lichtbildlabor-Fazit
Als Quereinsteigerin ohne Foto-Akademie-Hintergrund suche ich Werkzeuge, die meine Sprache sprechen. Lightroom ist für mich kein Labor, sondern eher ein zweiter Farbkasten. Wer wie ich visuell-intuitiv denkt, wird mit einem durchstrukturierten Curriculum wie dem Adobe Lightroom Classic Komplettkurs vielleicht nicht restlos glücklich — die ersten Module haben mir die Basics gezeigt, die eigentliche Freude kam aber erst beim Experimentieren danach.
Presets und eine gezielte Objektivunschärfe zusammen lassen meine Fotos endlich atmen wie meine Illustrationen. Wenn dich dieser malerische Look reizt, wirf einen Blick auf das Lifestyle-Presets-Paket. Meinen Workflow hat es im letzten Jahr komplett verändert, weg vom technischen Frust, hin zu etwas, das sich nach Gestaltung anfühlt statt nach Technik. Den aktuellen Preis siehst du direkt beim Anbieter, weil er sich ab und zu ändert.

Manchmal reicht der richtige Filter, um sichtbar zu machen, was beim Abdrücken schon da war. Keine komplizierten Ebenen, kein stundenlanges Retuschieren, nur das Licht so lenken, wie ich es an der Burg einmal gelernt habe, bloß jetzt mit Lightroom statt mit Pinsel.