Objektivkorrektur in Lightroom aktivieren für natürliche Familienporträts

Objektivkorrektur in Lightroom für gerade Linien bei Familienporträts am Händelplatz

Ich setze den Haken bei „Profilkorrekturen aktivieren“ und beobachte, wie sich die Kastanienreihe im Bild gerade zieht, Ast für Ast, bis die Fluchtlinie wieder stimmt. Genau dieser Moment entscheidet für mich zwischen einem Foto, das nach Familienporträt aussieht, und einem, das nach Schnappschuss aussieht. Objektivkorrektur klingt nach einem Fachbegriff für Leute mit Stativ und Wasserwaage. Für meinen Bearbeitungs-Workflow bei Familienfotos ist sie inzwischen der erste Schritt, noch vor jedem Preset.

Kurzer Einschub, bevor es weitergeht: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, ohne Mehrkosten für dich. Verlinkt ist nur, was ich für meinen eigenen Weg von der Illustration zur Familienfotografie tatsächlich benutzt habe.

Der Irrtum: Nur Architekturfotografen brauchen Objektivkorrektur

Lange dachte ich, dieses Häkchen sei etwas für Leute, die Hausfassaden mit dem Lineal nachziehen. Kunstgeschichte, nicht Familienalbum. Seit zwei Jahren baue ich mir mit Familienporträts ein zweites Standbein neben der Illustration auf, und genau dieser Irrtum hat mich am Anfang am meisten gekostet. Fotografiere ich mit der Sony Alpha 6000 am Händelplatz, unter der Kastanienallee im Herbstlicht, verzieht das Kit-Objektiv bei Weitwinkel genau die Linien, die als Illustratorin sofort mein Auge stören: Die Baumreihe biegt sich wie eine misslungene Fluchtpunktkonstruktion, Fassaden am Bildrand kippen nach innen. In der Fachsprache heißt das wohl Verzeichnung, für mich als Illustratorin einfach eine falsche Linie. Für ein Familienporträt ist das kein Schönheitsfehler, das ist die Grundlinie, auf der Licht, Farbe und Tonalität erst aufbauen.

Sony Alpha 6000 mit Kit-Objektiv, dem Ausgangspunkt für Objektivkorrektur bei Familienporträts.

Eine Nachbarin, die jeden Morgen ihre Runde bis zur Elisabethbrücke läuft, hat neulich ein Foto von sich und ihrer Familie gesehen und gefragt, warum die Häuser im Hintergrund so schräg stehen. Sie ist keine Fotografin, aber sie hat die falsche Linie trotzdem gesehen, noch bevor ich etwas dazu gesagt habe. Das Herbstlicht am Händelplatz ist ohnehin schon eine eigene Übung — wie hart oder weich ein Schatten unter den Kastanien fällt, ist nochmal eine andere Entscheidung als die Linienführung, aber beides zusammen entscheidet, ob ein Bild stimmig wirkt oder nicht.

Wo das Häkchen in Lightroom sitzt

Unter dem Reiter Objektivkorrekturen, gleich oben, mit dem unscheinbaren Namen „Profilkorrekturen aktivieren“. Bevor ich das wusste, habe ich jedes Bild einzeln von Hand nachgezogen, Transformieren-Regler für Transformieren-Regler, ohne irgendeine Preset-Grundlage darunter. Bei einer ganzen Session war das reine Fleißarbeit, und am Ende sahen die Bilder trotzdem nicht einheitlich aus, weil jede Korrektur ein bisschen anders ausfiel. Gefunden habe ich den Haken im Adobe Lightroom Classic Komplettkurs [Mein Crashkurs], in einem der ersten Kapitel, dort wo es um Bildorganisation geht, nicht um Kreatives.

Seitdem sitzt die Korrektur als fester erster Schritt vor jedem Preset, das ich über eine ganze Serie lege, batchweise, nicht mehr Bild für Bild. Das systematische Denken, das mir in einem linear aufgebauten Kurs sonst eher fremd ist, zahlt sich hier ausnahmsweise aus: Objektivkorrektur ist einer der wenigen Schritte, bei denen ich nicht intuitiv, sondern nach festem Ablauf arbeite. Wer wie ich viel mit einem malerischen Bildstil über die HSL-Regler arbeitet, braucht diese gerade Ausgangslinie zuerst, sonst wirken Farbe und Textur oben drauf wie aufgeklebt.

Lightroom-Panel für Objektivkorrekturen mit aktivierten Profilkorrekturen für Familienfotos

Warum Automatik nicht automatisch richtig ist

Zweiter Irrtum, den ich selbst lange hatte: Haken rein, fertig, das Bild ist automatisch besser. Bei sehr weiten Einstellungen, den 16 Millimetern meines Kit-Objektivs, zieht Lightroom die Wölbung so konsequent gerade, dass Gesichter am äußersten Bildrand manchmal breiter werden, als sie sein sollten. Ein Kind am Rand des Rahmens kann dann fast maskenhaft wirken, wie eine schlecht proportionierte Skizze.

Ausgedrucktes Foto vom Händelplatz mit sichtbarer Weitwinkel-Verzeichnung vor der Objektivkorrektur.

Mein Prüfkriterium dafür ist simpel geworden: Steht ein Gesicht im äußeren Drittel des Bildes, schaue ich mir die Korrektur bei hoher Vergrößerung an, bevor ich sie einfach so stehen lasse. Wirkt es gedehnt, drossle ich die Stärke der Korrektur oder arbeite stattdessen mit einer punktuellen Anpassung nur auf den Hintergrund, sodass die Gesichter unangetastet bleiben und nur die Linien drumherum gerade werden. Manchmal hilft auch ein engerer Bildausschnitt mehr als jede Korrektur, weil das verzerrte Eck dann komplett aus dem Bild fällt. Ein bisschen Vordergrund-Unschärfe lenkt den Blick oft wirkungsvoller als eine mathematisch perfekte Linie, die die menschliche Anatomie beleidigt.

Linie erst prüfen, dann weiterarbeiten

Wenn ich meine Moody Presets für die Saale-Porträts über ein Bild lege, brauche ich vorher diese saubere Leinwand. Sonst rutscht mit dem Preset auch die falsche Linie mit durch, nur eben dunkler und mit mehr Kontrast. Was ich hier bewusst außen vor lasse: Weißabgleich und Farbstiche sind ein eigenes Thema, genauso wie die Frage, wie viel Kontrast und Belichtung ein Familienporträt verträgt, oder wie ich Hauttöne unter wechselndem Licht behandle. Objektivkorrektur ist für mich der Punkt davor, die gerade Linie, auf der die restliche Bearbeitung erst aufbaut.

Ziehe ich Vorher und Nachher nebeneinander auf dem iPad auf, kippt bei den guten Bildern etwas um: Die Linie stimmt, und plötzlich hat das Foto diese weiche, aquarellige Textur, die ich sonst nur von meinen eigenen Illustrationen kenne. Das passiert nicht bei jedem Bild. Aber wenn es passiert, weiß ich, dass die Korrektur richtig saß, und nicht nur mathematisch, sondern auch für mein Illustratorinnen-Auge.

Fertiges Familienporträt als Print nach der Objektivkorrektur, mit Zeichenwerkzeugen im Bearbeitungs-Workflow.

Wer visuell und weniger systematisch denkt, dem hilft dieses eine Häkchen wahrscheinlich mehr als jedes weitere Preset-Paket. Willst du tiefer einsteigen, ohne dich gleich in Foren zu verlieren, schau dir den Lightroom Grundkurs an, zumindest das Kapitel zu den Grundlagen reicht oft schon. Es geht nicht darum, Profifotografin zu werden, sondern darum, dass die Technik dem eigenen Blick nicht mehr im Weg steht.

Am Händelplatz stehen die Kastanien jetzt gerade im Bild, und die Gesichter der Kinder sehen genau so aus, wie ich sie mit bloßem Auge gesehen habe. Mehr wollte ich mit diesem Haken nie erreichen.