
Ein Familien-Preset macht Haut weich und Licht süß. Ein Landschafts-Preset macht Schatten hart und Farbe erdig. Für meine Bildbearbeitung als Illustratorin, die sich mit Familienfotografie und Lifestyle-Aufnahmen ein zweites Standbein aufgebaut hat, zählt nur die zweite Sorte, und dieser Eintrag aus meinem Lichtbildlabor-Tagebuch zeigt den Ablauf, mit dem ich in Halle (Saale) arbeite: welche Lightroom-Presets ich einsetze, wo sie kippen, und wie ich das korrigiere.
Kurzer Transparenz-Hinweis vorweg: In diesem Eintrag stecken Affiliate-Links. Kaufst du ein Preset-Paket oder einen Kurs darüber, bekomme ich eine Provision, dein Preis bleibt gleich. Gezeigt wird nur, was in meinem eigenen Workflow läuft — inklusive der Sachen, die ich wieder aussortiert habe.
Kurs oder Bauchgefühl: der lineare Weg zu Modul 4
Einen Systemkurs habe ich ausprobiert, den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs, über 40 Lektionen in kurzen Häppchen. Nach Modul 4 war Schluss — der lineare Aufbau lief meinem intuitiven Arbeiten als Illustratorin entgegen, eine Abwägung, die ich woanders im Tagebuch ausbreite. Ich bin Absolventin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und arbeite lieber vom Bild her als von der Checkliste.

Landschafts-Presets in Familienporträts
Der Umschwung kam mit einem Paket, das eigentlich für Reise- und Landschaftsfotografie gedacht ist: die 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen. 13 Stilrichtungen stecken darin, und ausgerechnet „Cinematic" und „Moody" treffen meine Linienführung besser als alles, was extra für Familien gelabelt ist.
Ausschlaggebend ist der Schattenaufbau. Landschafts-Presets behandeln Licht und Schatten als Teil der Erzählung, nicht als etwas, das man wegretuschiert — wie man Schlagschatten in einem Bild liest, ist ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle im Tagebuch durchdekliniere. Für ein Familienporträt heißt das: Ein Gartenweg oder eine Bank im Halbschatten bekommt Gewicht, statt nur Hintergrund zu sein.
Auch der Bildausschnitt verändert sich dadurch. Bei einem Auftrag brachte Lotte Felber, Stammkundin aus dem Maker-Space, eigene Keramiktassen und eine Leinendecke mit, und der Ausschnitt musste die Requisiten mittragen, nicht nur Gesichter — wie ich so etwas zuschneide, ist trotzdem wieder eine andere Rechnung, die an anderer Stelle drankommt.
Im Oktober letzten Jahres, bei einem Familien-Shooting am Rosengarten-Weginsel im Volkspark Halle, hat mich der Moody-Look einmal ausgebremst. Das Herbstlaub im Hintergrund kippte unter dem Preset so satt ins Rotbraune, dass es dem Kind im Bild die Aufmerksamkeit stahl. Leila Messaoudi, befreundete Berufsfotografin hier in Halle, hat sich die Vorschau angesehen und ohne Umschweife gesagt, die Fläche schreie lauter als das Gesicht. Meine Faustregel dabei: Wird eine Fläche im Bild lauter als das Gesicht, drehe ich die Intensität so lange zurück, bis die Lichtkante wieder das Gesicht führt.
Kurz überlegt habe ich auch, eine Studio-Blitzanlage auf Raten anzuschaffen, um unabhängiger vom Wetter zu sein. Verworfen — nicht weil das Ergebnis schlechter gewesen wäre, sondern weil die Landschafts-Presets genau für das gebaut sind, was ich ohnehin mag: verfügbares Licht, das sich über den Tag verändert.
Ein Haken bleibt: Babyhaut verträgt den Landschafts-Look nicht ungefiltert
Ein Haken bleibt trotzdem. Landschafts-Presets sind auf Berge und Wälder getrimmt, nicht auf Babyhaut — wer sie unverändert auf ein Neugeborenenporträt legt, sieht das sofort in der Sättigung. Wie ich Hauttöne konkret korrigiere, ohne die Tiefe des Looks zu verlieren, steht in einem eigenen Eintrag: Schöne Hauttöne in Lightroom bearbeiten. Hier reicht der Hinweis: Das Preset ist der erste Schritt, das Gesicht bekommt danach eine eigene, kleine Korrektur.

Dafür brauche ich keine große Maske, nur den Korrekturpinsel, gezogen mit dem Apple Pencil — ein feines Kratzen auf dem Glas, mehr Werkzeug braucht es nicht. Wie weit diese lokale Korrektur im Detail geht, ist wieder ein eigenes Thema für sich.
Zwei Formate, ein Look, viele Geräte
Ein praktischer Vorteil des Lifestyle-Preset-Pakets liegt im Dateiformat: .dng für Lightroom Mobile unterwegs, .xmp für die Desktop-Version am MacBook. Ich sortiere oft schon unterwegs grob vor, welcher Look zu welchem Licht passt — das ist wieder eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle durchgehe. Wichtig für alte Systeme: Ab Lightroom Classic 7.3 läuft es, ältere Standalone-Versionen bleiben außen vor.
Vorher räume ich kurz den Weißabgleich auf, falls das Licht am Nachmittag einen Farbstich reingebracht hat — dafür gibt es ein eigenes Vorgehen, das hier nicht hingehört. Fotografiert wird bei mir grundsätzlich RAW, nicht JPEG, aus Gründen, die eine andere Abwägung sind. Bei einem größeren Auftrag, mehrere Dutzend Bilder von einem Nachmittag, wende ich das gewählte Preset im Stapel an und passe danach nur einzelne Aufnahmen nach, statt jedes Foto bei null zu beginnen. Für die Übergabe — WhatsApp-Vorschau für die Familie, Druckdatei für den Fotobuch-Anbieter — stelle ich den Export unterschiedlich ein, auch das wieder ein eigenes Thema.
Wenn das Foto technisch kaputt ist
Manchmal reicht kein Preset der Welt. Zu viel Rauschen bei Dämmerlicht, ein Bild technisch verhauen — dann hilft nur die Brechstange, zum Beispiel mit den Schritten aus Rauschen entfernen in Lightroom. Das sind aber die Ausnahmen. In den meisten Aufträgen liefert der Landschafts-Look schon die Richtung, in die das Bild will.
Plan B ohne Menschen im Bild: Photoshop
Für reine Landschaftsarbeit, ganz ohne Menschen im Bild, greife ich manchmal zu einem anderen Werkzeug: Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Photoshop. Das ist mein Ausweichgleis für Phasen mit weniger Familienaufträgen und mehr eigenem Landschaftsmaterial — kein Ersatz für den Lightroom-Workflow, eher eine zweite Schublade.

Am Ende passt nur das Preset, das zur eigenen Bildsprache passt
Belichtung und Kontrast von Hand zu ziehen, Bild für Bild, ist eine andere Übung, die ich an anderer Stelle vorrechne. Für den Alltag mit vielen Familienaufträgen bleibt das Preset der schnellere Einstieg, und die Landschafts-Looks bleiben dabei meine erste Wahl, weil sie Licht so behandeln, wie ich es aus der Illustration gewohnt bin — mit Tiefe, nicht mit Zuckerguss.
Wer als Illustratorin oder Illustrator selbst mit Familienfotografie als zweites Standbein liebäugelt und einen Preset-Look sucht, der nicht nach Standard-Fotostudio aussieht, findet in den 100 Lightroom-Presets Paket genau die Bandbreite dafür — Cinematic, Moody und Natural, dazu die restlichen zehn Stilrichtungen für alles, was noch kommt.